Graz, Karmeliterplatz

Gutachterverfahren 2002

Karmeliterplatz und Pfauengarten sind Teil des langfristigen Projektes der Kulturachse (Botanischer Garten – Minoritenkloster), die sich vom Mariahilferplatz durch den Schloßberg bis zur Universität erstrecken soll. Diese ideelle und funktionelle Beziehung durchquert den Karmeliterplatz in Längsrichtung und verleiht ihm eine neue Orientierung. In rechtem Winkel zu dieser Achse befindet sich zudem die historische und im Alltag der Stadtbewohner wesentliche Wegführung vom Paulustor zum Hauptplatz. Jener Punkt, in dem Paulustorgasse und Sporgasse aufeinander treffen, ist von hoher sozialer Intensität, gleichsam eine “Synapse”, in der Begegnungen staffinden und – ganz wesentlich – der letztmögliche Umstieg vom Auto in die Fußgängerzone stattfindet. Spätestens hier bemerken Autofahrer/innen, dass Graz eine fußgängerfreundliche Stadt ist.

Die Eigenschaft dieses Punktes ist durch die neuen Festlegungen der Verkehrsführungen bestärkt worden und wird nun im Gestaltungskonzept physisch ausformuliert. Hier befindet sich ein Wendeplatz für PKW und kleinere LKW, hier ist auch die Haltestelle der Buslinie. Gastgärten und eine beschattete Bank fördern die Treffpunktfunktion dieses Ortes. Nachdem man sein Auto über die Sauraugasse in die Tiefgarage gebracht hat, tritt man am Karmeliterplatz unbeschwert ans städtische Tageslicht.

Nicht zuletzt aus der Kreuzung der beiden Achsen ergibt sich, dass der Karmeliterplatz für eine Vielfalt von Veranstaltungen attraktiv ist. Es liegt an einem klugen Management der öffentlichen Räume, dass die Art, Häufigkeit und Dauer von Veranstaltungen so gesteuert werden, dass ein langfristiger Standortnutzen entsteht. Es gibt Arten öffentlicher Ereignisse, die sehr gut in einen innerstädtischen Kontext passen, und solche, durch die der sensible Raum einer Altstadt durch ein kurzfristges Kalkül ausgebeutet wird. Die Architektur des Platzes soll den Qualitätsgedanken bestärken. Es entsteht keine Zirkuswiese, sondern eine genau definierte Piazza, eine bespielbare Plattform, begrenzt von Bäumen und Bänken, durchquert von einer Fahrspur für den Busverkehr und vom hervorgehobenen Gehweg der Kulturachse, die auf dem Weg zwischen Stadtpark und Schloßberg den Karmeliterplatz überquert. Im Alltag ist diese Piazza von Bäumen bestanden. Sie bilden ein Arborium, einen kleinen Lustgarten. Unterstützt wird der bukuolische Charakter durch die zeitweise aktivierten Fontänen, die nicht nur den Bäumen Wasser zuführen, sondern auch – man denke an laue Sommerabende – ein angenehmes Kleinklima erzeugen. Wenn eine Veranstaltung angesetzt ist, werden die Bäume mit einem Hubstapler umgruppiert und je nach Dauer und Charakter der Veranstaltung bildet das Grün sodann neue und vielfältige Räume. Alter Baumbestand soll erhalten werden.

Welche Formen, welche Nutzungen greifen Raum, wenn es gelungen ist, den Autoverkehr zu eliminieren? Der städtische Platz als Plattform des Alltagstourismus.


  • Die Grazer Kulturachse  wird als Weg unter einer Baumreihe geführt, an diesen wird das Silveri-Denkmal verlegt.
  • Ein befestigter Platzbereich, flexibel für unterschiedliche Nutzungen mit fakultativen Wasserspielen aus dem Boden und mobilen Kübelbäumen (Pittisporum) soll entstehen.
  • Die Grünfläche mit derzeit hohem Baumbestand, die östlich an die Piazza angrenzt, soll zum Spielen und Rasten einladen und leuchtenden Sitz und Spielmöbel attraktiver werden.

Lichtkonzept

Wettbewerb Neugestaltung Karmeliterplatz

archurb · 08.06.2010
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