Gutachterverfahren Graz, Theodor-Körner-Straße / Grabenstraße

Lage und Struktur

Die besondere Lage an der vormaligen Stadtgrenze, schräg gegenüber der historischen „Andritz Maut“, wird mit einem Kopfgebäude markiert und ergänzt durch ein zweites Haus entlang der Grabenstraße. Damit wird die städtebaulich unbefriedigende Situation, dass von der Grabenstraße derzeit nur Rückseiten von Gebäuden zu sehen sind, im Sinne des Räumlichen Leitbildes der Stadt Graz mit einer Vervollständigung des Blockrandes gelöst.


Form und Gestaltung

Die Außenwände sind in ihrer Massivität die Antwort auf den gegenüberliegenden Rainerkogel und dem hier ansetzenden Grazer Bergland. Es sind Mauern, die den Emissionen der Grabenstraße (Lärm, Schmutz) in ihrer Materialität standhalten können. Die Traufkante bildet die Kontur einer Bergsilhouette. Trotz dieses massiven Schildes ist es wichtig, dass die neue Vorderseite entlang der verkehrsbelasteten Grabenstraße durch ihre Gliederung, durch die Eingänge in die beiden Häuser, in Höfe und Vorbereiche, die in der Zukunft zu erwartenden positiven Veränderungen der Grabenstraße, also  weniger Verkehr und weniger Lärm, Abgasreduktion und niedrige Fahrgeschwindigkeit, vorwegnimmt.

Öffentlicher Raum und Erschließung

Das Vorfeld des Kopfgebäudes (Haus 1) wird gegenüber dem Bestand aufgewertet, indem die Verkehrsinsel in der Theodor-Körner-Straße rückgebaut wird und durch eine Zusammenlegung der ein- ausfahrenden Kfz-Spuren ein baumbestandener Vorplatz entsteht. Entlang der Theodor-Körner-Straße werden links und rechts des Einganges in das Wohngebäude (Teil von Haus 1), Vorgärten angelegt, bezugnehmend auf den vormals vor dem Nachbarhaus, Haus Theodor-Körner-Straße 182 existierenden Vorgarten, der im Zuge der Neubebauung auch wiederhergestellt werden sollte.

Entlang der Fassade Grabenstraße entstehen Grünstreifen für Fassadenbegrünung oder Büsche. Dort befindet sich ein zweiter Eingang in das Eckgebäude Haus 1, durch den auch der Fahrradraum im Erdgeschoss erschlossen wird.

Die Grabenstraße wird durch die Gebäudestellung und die neue Baumreihe soweit aufgewertet werden, dass man dort auch gern zu Fuß geht. Haus 2, das durch eine leichte Versetzung raumbildend wirkt und die Länge des Grundstückes nützt, wird ebenfalls von der Grabenstraße zu Fuß und per Rad erschlossen. Zudem bietet sich die Herstellung einer Fußverbindung über die Freifläche der angrenzenden Wohnanlage zur Theodor-Körner-Straße an. Im Südosten kann auch ein Druchgang zum Bezirkssportplatz geschaffen werden.

Die Tiefgarageneinfahrt für beide Gebäude erfolgt in der geforderten Breite und Lage von der Theodor-Körner-Straße. Sie wird durch die Vorgärten zu beiden Seiten grün eingefasst. Die Parkplätze für die Wohnungen sollten im 1. UG liegen, die extern vermieteten TG-Plätze im 2.UG werden durch Lift und Treppe direkt vom öffentliche Raum bedient.

Freiflächen

Der durch die Gebäudeanordnung (Haus 1 und Haus 2) entstandene Hof kann vielseitig verwendet werden: Sitzen, Spielen, Wildnis, Pflanzen, Wasser, Fahrradreparieren und Zugang zur Tiefgarage. Er wird der soziale Treffpunkt. Durch die tageszeitige Öffnung zu den Nachbargrundstücken wird auch Kindern die Begegnung ermöglicht.

Nutzung

Das markante Kopfgebäude (Haus 1) beinhaltet über alle vier Geschoße Geschäfts- und Büronutzung mit der Möglichkeit einer internen Erschließung jeweils über zwei Geschoße. Im 4.OG dieses Hauses 1 ist ein Penthouse vorgesehen, dessen atriumförmiger Dachgarten die Überhöhung des Gebäudes an der Ecke Theodor-Körner-Straße – Grabenstraße bewirkt.  Ansonsten gibt es ausschließlich Wohnnutzung. Das Haus 2 an der Grabenstraße ist ein reines Wohngebäude. Insgesamt gibt es 21 Wohnungen.

Sowohl der an der Grabenstraße gelegene Flügel des Hauses 1, als auch das Haus 2 ermöglichen durch abgetreppte Geschoße die Schaffung großer Gründächer, die teilweise als Terrassen genutzt werden. Südseitig und in der Theodor-Körner-Straße gibt es Balkons mit jeweils großen und tiefen Pflanztrögen, um das Kleinklima zu verbessern.

Gutachterverfahren im Auftrag der P&G Immobilienerrichtungs-GmbH
September 2019
3. Preis
Mitarbeit: Mag. arch. Emanuel Tornquist

 

archurb · 23.09.2019
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