TU Graz

genius loci, Genie und Ort

TU Graz, Institut für Architekturtheorie, Kunst- und Kulturwissenschaften, Prof. Anselm Wagner;
WS 2014 –
Seminar Entwurfspraktiken

Leitung: Jördis Tornquis
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Stets prägt die Physis des Ortes und dessen kulturelle Bedingung die bauliche Form. Im Architekturentwurf ist es entscheidend, diese Bedingungen zu erkennen und zu interpretieren. Aus dem gelungenen Entwurf spricht dann der „Genius Loci.

Die Studierenden werden aufgefordert, Bauwerke zu identifizieren, die zeigen, wie der „menschliche Genius“ mit dem „Genius des Ortes“ in Wechselwirkung getreten ist. Sie werden fragen, welches die Motive für die Lage, den Typus und für die Organisation des Raumes gewesen sind, und sie werden zeigen, welche Bedeutung damit generiert wird.

Die steirische Nachkriegsmoderne und die „Grazer Schule“ bieten dazu viele Beispiele.

Da sich der Entwurfsvorgang der unmittelbaren wissenschaftlichen Kausalität entzieht, wird in der Lehrveranstaltung die Kritikfähigkeit der Studierenden an bestehenden Bauten gefördert – um für ihre eigene Entwurfspraxis das Fragestellen zu lernen, Denkprozesse in Gang zu setzen und ein Weiterdenken anzuregen.

Wir werden versuchen zu erkennen, welches die Motive für Platzierung am Ort und die Organisation im Raum, für den Typus und die Materialität der Bauten gewesen sein könnten und welche Bedeutung damit generiert wird. Wir hoffen zu entdecken, mit welchen Werkzeugen die Idee umgesetzt wurde. Wir fragen uns, wie sich der Kontext weiterentwickelt hat und wie das Bauwerk heute vor Ort wirkt.

Skizzieren und Beschreiben als Wahrnehmungstraining stehen im Vordergrund. Halten wir es mit Raimund Abraham, dessen wichtigster Impuls für den Entwurf die Auseinandersetzung mit dem „site“ war und seinen allerletzen Worten zu den Studierenden: “all you need is a piece of paper, a pencil and a desire to make architecture.”

> rosenberger.claudia
https://www.youtube.com/watch?v=_RCOwpDJ4rc&feature=youtu.be

> savalle.louise_incoming

Weinzödl – Wohnen am Fluss

TU Graz, Institut für Städtebau, SS 2013 – Projektübung Prof. Joost Meuwissen;
Leitung: Jördis Tornquist

Die Aufgabe der Studierenden war es, nach einer vertieften Recherche unterschiedlicher Themengebiete die Charakteristik von Weinzödl zu bestimmen und Strategien und Projekte  für ein Gebiet von rund 6 ha zu bearbeiten. Eine langfristige Entwicklung zu einem Stadtteil mittlerer Dichte war anzustreben. Das bestehende Dorf sollte arrondiert werden. Dadurch könnte die historische Bausubstanz aus ihrer Bedeutungslosigkeit geholt werden. Die Einbeziehung des technischen Bauwerkes der Staustufe ist erforderlich und der Naturraum spielt im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung eine zentrale Rolle.

In meiner Erinnerung ist die Au neben der Mur eine rieseige Fläche, auf der ich mir verloren vorkam. Schwere Regenwolken hängen vom Himmel, Licht- und Schattenspiele fließen über das spärliche Gras auf dem sandig-schottrigen Boden. In der Ferne das von hohen Büschen bewachsene Ufer der Mur. Der Fluss war in heißen Sommertagen nahezu ausgetrocknet. Schotterbänke traten zutage, Felsen, über die ich bis zur Flussmitte balancieren konnte – dann wieder, nach starken Regenfällen, schwoll er dunkel und gewaltig an, umschwemmte die Brücke und ergoss sich über die weite Fläche. Einmal musste ich sogar umkehren, so hoch stand das Wasser in der Wiese.
aus Gerhard Roth: Das Alphabeth der Zeit

Joost Meuwissen:

Unmittelbares Ziel der Übung ist es, die Ufergebiete nahe der Mur rund um das Kraftwerk Weinzödl in Graz-Nord unter Einbeziehung des Bauwerkes der Staustufe „denkmalhaft kreativ“ zu renaturieren und zu restaurieren, vielleicht schöner als es je gewesen ist, die Erschließungs- und Wegrelationen in den für alle Verkehrsarten idealen Zusand, welcher vorher vielleicht niemals gewesen ist, zu bringen und das Dorfgebiet Weinzödl mit Wohngebäuden und Wohnhäusern ohne Dichte oder ohne den Ausdruck von Dichte im Sinne eines zeitgemäßen Suburbia oder Resort zu arrondieren. Kurz: in Weinzödl soll Glück für alle Leute kommen, für diejenigen, die dort leben, aber auch für diejenigen, die dort gar nicht leben.

It is the main goal of this exercise to restore the areas by the riverside and around the hydro-power station Weinzödl in northern Graz, re-vitalizing and re-naturalizing it in a “creative conservational” way. It is about finding an ideal solution of access and connection for all forms of traffic –in a way that it might have never been before – and to consolidate the old buildings without density or without expression of density to become a contemporary suburbia or resort. Weinzödl should bring happiness to all people: to those who live there, and to the ones that do not.

Jördis Tornquist:

Das Dorf

Weinzödl ist ein alter Weiler am nördlichen Stadtrand von Graz, der seit  1100 nachweisbar ist. Der Name hat sich im Laufe der Zeit immer wieder verändert. „Weinzierl“ jedenfalls lässt sich auf den Weinanbau im Mittelalter zurückführen. Die meisten Bewohner/innen waren damals sogenannte „Kleinhäusler“. Sie besaßen nicht ausreichend Land, um sich „Bauern“ nennen zu dürfen und sie bestellten ihre Felder für „die Herrschaft“, wie das Stift Admont oder die Eggenberger. Eine Kapelle aus 1864 bildet den Dorfmittelpunkt.

Westlich des Dorfkerns gab es über 300 Jahre eine Brücke über den Fluss, die Mur, über die die Poststraße nach Wien führte. Die Brücke wurde 1953 abgebrochen. Flussabwärts befand sich der „linke Mühlgang“ , der 1976 trockengelegt wurde. Trotz zahlreicher Regulierungsmaßnahmen im 19.JH wurde das Dorf immer wieder überschwemmt.

Im Jahr 1982 ging das Laufkraftwerk Weinzödl in Betrieb. Es hat eine Leistung von 16 MW und dient u.a. zur Versorgung des Plabutschtunnnels (A9-Phyrnautobahn). Da im Zuge des Kraftwerksbaus ein Damm errichtet wurde, ist der Ort Weinzödl heute vom Flussufer getrennt.

Topographisch liegt Weinzödl zwischen der Kanzel und dem Admonter Kogel im Norden und dem Burgberg mit der Ruine Gösting im Süden im tief eingeschnittenen Tal der Mur, das einen wichtigen Frischluftkorridor für Graz darstellt. Die Talenge ist heute von Verkehrsinfrastruktur geprägt: Autobahnzubringer, Bundesstraße und Südbahn erzeugen einen hohen Lärmpegel. Die Wohnnutzung ist dadurch unattraktiv geworden.

Das Dorfgebiet ist noch weitgehend von landwirtschaftlich genutzten Flächen umgeben.  Aufgrund der  Nähe zum Fluss und am Rande des Grazer Berglandes ist das Gebiet Wassereinzugsgebiet und als solches teilweise geschützt. Es konnte sich dort eine seltene Flora und Fauna erhalten. In zunehmendem Maß siedeln sich Freizeitnutzungen an. Es gibt einen Klettergarten, einen Reitstall, ein Fußball-Trainingszentrum und eine relativ neue Heimgartenanlage. Mit der sich verbessernden Wasserqualität wird die Mur  in zunehmendem Maß für den Wassersport interessant. Im Bereich Weinzödl wird der Fluss zum Paddeln genutzt.

Überlagerung Plan 1904 (Stadtarchiv Graz) Grafik: Jördis Tornquist

Weinzödl – ein von Infrastrukturbauten fragmentierter und marginalisierter Stadtteil von Graz: Der historische Ganglhof und die Häuser Nr.58,34,33,29 sind im Laufe der Zeit abgebrochen worden. Die Häuser: Nr. 54,55,(41,58,)31,32,35,36 sind in ihrer Lage noch erkennbar.

Die Projekte

In den vorliegenden fünf Projekten wird deutlich, dass Weinzödl wegen seiner Nähe zur Innenstadt von Graz und wegen seines Naturraumes ein großes Potenzial hat, Lebensqualität zu bieten.

Die Studierenden haben im ersten Schritt versucht, unterschiedliche Verkehrslösungen zu erarbeiten, da wegen der extremen Verkehrsbelastung eine Entwicklung des Gebietes heute nur schwer möglich ist. Durch die Tallage wird der Verkehrslärm stark reflektiert, daher wurden Lärmschutzeinrichtungen bzw. Eintunnelungen für Autobahnzubringer und Südbahnstrecke am rechten Murufer angedacht.

Da das Gebiet derzeit weder mit öffentlichem Verkehr noch mittels einer guten Radverbindung ausgestattet ist, haben die Studierenden Vorschläge zur Verbesserung der Erreichbarkeit von Weinzödl erarbeitet. Die Lösungen gegen die Dominanz des Autoverkehrs reichen von der Umleitung der Bundesstraße auf das das rechte Murufer, um Einrichtungen wie Begegnungszonen und Complete Streets im Dorfgebiet Weinzödl zu ermöglichen, bis zum „Brechen der Linearität der Wienerstrasse“ im Gebiet Weinzödl : das Knicken, Schwingen oder die räumliche Auflösung des Straßenzuges könnte eine Methode sein, um das Verhalten der KFZ- Lenker intuitiv zu beeinflussen damit sie langsam fahren.

Die Studierenden haben sich Gedanken darüber gemacht, ob die Ausbreitung von gewerblichen Einrichtungen, die dort und da schon zu bemerken sind, den Untergang des Dorfes Weinzödl bereits einleitet. Das zeigt sich auch in unzählig abgestellten Schwerfahrzeugen im Ortskern, selbst unmittelbar neben der Kapelle.

Es wurde beobachtet, dass Weinzödl, weil fußläufig gänzlich abgeschnitten, von den Grazern selbst nicht als zu Graz gehörig empfunden wird. In mehreren Projekten wurde daher das Kraftwerk als Brücke an das andere Ufer vorgeschlagen, manchmal als Geh- und Fahrradweg und manchmal nur als ökologische Grünbrücke.

Weinzödl ist aber durch seine historische Siedlungsstruktur und seine Geschichte eine wichtige Eintrittspforte vom Norden nach Graz.  Bestehende Nutzungen wie Wohnen und Freizeit sind ideale Programme für Weinzödl und sollten jedenfalls gestärkt und langfristig weiter entwickelt werden.  Durch einen Zuzug an Bewohner/innen kann die derzeit meist herabgekommene Bausubstanz gestärkt werden, indem sie einen neuen Stellenwert bekommt. Gewachsene Strukturen sind ein Ankerpunkt für Menschen, auch für jene, die nach Weinzödl ziehen wollen.

Studierende:

1_ Stephanie FORSTNER, Silvia JAVERNIG, Joanna SILVO
2_ Sonja BRANDSTETTER, Barbara SCHLOFFER, Katharina WERNIG, Iyad AFANA
3_ Yvonne LANDL, Markus STRADNER, Thomas WOLF
4_ Manuela HACKHOFER, Olivia PURKARTHOFER, Emmy RAUSCHER, Nadja SAXER
5_ Andreas EIBL, David HEILINGER, GAO Ying, Phillipp ZRIM

Zwischenpräsentation Gastprüfer: Johannes Fiedler, Susan Kraupp

Schlußpräsentation: Joost Meuwissen, Jördis Tornquist, Susan Kraupp
Gastkommentator: Klemens Klinar (Stadtplanungsamt)

Bericht im GAT

Projektauswahl:

Yvonne LANDL, Markus STRADNER, Thomas WOLF:

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Manuela HACKHOFER, Olivia PURKARTHOFER, Emmy RAUSCHER, Nadja SAXER:

> Projektbeschreibung: Nadia Saxer

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Stephanie FORSTNER, Silvia JAVERNIG, Joanna SILVO:

springlike – Wohnbauten sprießen in Wien – Leopoldstadt

TU Graz, Institut für Wohnbau, SS 2012 – Entwerfen 4
Leitung: Jördis Tornquist

Ausgehend von einem, im Oktober 2011 von der Stadt Wien ausgelobten städtebaulichen Wettbewerb, soll ein Teil des Nordbahnhofgeländes für die Wohnbauübung bearbeitet werden.

Die Stadt Wien sieht hier eine massive Wohnbebauung entlang einer neuen, einen Kilometer langen Allee vor. Laut Ausschreibung „soll sich diese Achse zu einem zeitgemäßen städtischen Boulevard entwickeln“. Zunächst wird die Auseinandersetzung mit der Linearität und dem Begriff  „Boulevard“ gesucht. Ist dieses Bild, das aus dem 19. Jahrhundert stammt und für ein bestimmtes Lebensgefühl steht, noch relevant? Sollte man sich nicht vom bürgerlichen Weltbild des „Flaneurs“ /der „Passante“  lösen und zeitgemäße Spannung, Kraft und Vielfalt entstehen lassen? Welche Rolle spielt heute der öffentliche Raum für das Wohnen in der Stadt? Wie kann man der Monotonie und der sozialen Entmischung, die der Massenwohnungsbau mit sich bringt, vorbeugen? Wie kann man Abwechslung in die zu erwartende Wiederholung des immer gleichen Programmes von Gebäuden bringen? Welche Art von Bauten benötigen junge Menschen aus der Kreativszene des 2. Bezirkes und Großfamilien mit Migrationshintergrund? Wie passt diese Form der Verdichtung  zum Image einer Stadt, der in internationalen rankings die weltweit höchste Lebensqualität zugesprochen wird?

Ziel der Übung ist es, auf dem Nordbahnhofgelände Wohnhäuser für rund 1.000 Menschen sprießen zu lassen und zu zeigen, wie im Zusammenwirken aus Gebäude, Grünraum und Straße ein lebendiges Stadtviertel entsteht.

xPlakat: Adina Camhy

Schlusspräsentation 28.6.2012

Auf der Basis des gemeinsam gewählten städtebaulichen Siegerprojektes “The Green Mile” entstehen auf den einzelnen Baufeldern eigenständige Entwürfe. Alle Arbeiten stellen eine starke Vernetzung von Grundstück und Gebäude her, es gibt keine Grünfläche als Restfläche: kein „soziales Grün“ oder „Abstandsgrün“, sondern urbaner öffentlicher Raum.

xStudierende:
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Ineska Alibabic
xCora Christian
xStefan Damegger
xJörg Dittus
xChristian Fian
xEva- Maria Gilli
xKerstin Gruber
xOlivia Killian
xKonstantin Knauder
xPei-Hsin Lee
xSaša Mujagic
xKlaus Posch
xKatija Violic
xErich Waglechner

 

Gastkritik von: Marlis Nograsek, Wolgang Purt, Johannes Fiedler, Johannes Paar

LV_E4 2012 springlike_Doku

InforCidade

InforCidade ist ein Gemeinschaftsprojekt der TU Graz und der Universität von Kap Verde (UniCV), das im Rahmen des Programmes appear (Austrian Partnership Programme in Higher Education and Research of Development) stattfindet und vom OeAD (Österreichischer Austauschdienst) im Rahmen einer Anbahnungsphase gefördert wird.

In einer interkulturellen und interdisziplinären Analyse soll ein gemeinsames wissenschaftliches Verständnis der Qualitäten und Probleme der informellen Wohnraumschaffung hergestellt werden – besonders im Hinblick auf Wohnzufriedenheit, ökologische wie soziale Nachhaltigkeit und Geschlechtergerechtigkeit. Die Betrachtung erfolgt aus einer humangeografischen und einer stadträumlichen Perspektive anhand ausgewählter Gebiete in der Hauptstadt von Kap Verde, Praia.
Beteiligte Personen:
Frau Dra. Judite Nascimento ist Geografin , hat zum Thema der nachhaltigen Stadtentwicklung dissertiert und behandelt als Lehrende am Departamento de Ciências e Tecnologia (DCT) der UniCV im Rahmen des Studienprogrammes Geografie und Raumordnung die Effekte des dynamischen Urbanisierungsprozesses in Kap Verde. Frau Nascimento berät auch die Planungsministerin, Sara Lopes, in Wohnbaufragen.
Frau Dipl. Ing. Jördis Tornquist ist Architektin, Lehrbeauftragte am Institut für Städtebau und Wohnbau der TU Graz und ist im eigenen Architekturbüro mit Schwerpunkt Städtebau tätig. Frau Tornquist kennt Kap Verde und spricht Portugiesisch.
Frau Dipl. Ing. Dr. Marlis Nograsek, Stellvertreterin des Vorstandes am Institut für Wohnbau der TU Graz, ist seit 1997 in der Wohnbauforschung und Evaluierung tätig.

InforCidade

Institut für Wohnbau der TU Graz, SS 2011 – Projektübung
Leitung: Marlis Nograsek
Projektassistenz: Jördis Tornquist
Partnerin: Dra. Judite Nascimento

Projektablauf

Auf der Grundlage der von der UniCV recherchierten Unterlagen (Fach: Geografie und Raumordnung) werden die von den BewohnerInnen formulierten Wünsche architektonisch interpretiert, via Skype – Konferenzen zwischen den Studierenden beider Universitäten adaptiert und in Entwürfen konkretisiert.

Städtebau: Hier muss unter anderem zwischen weiterer baulicher Verdichtung und dem Erhalt von öffentlichen Freiräumen sorgfältig abgewogen werden. Die bestehenden, improvisierten, intensiv genutzten sozialen Räume sind von großer Bedeutung für den Zusammenhalt der lokalen Gemeinschaft. Auf der informellen Grundlage werden bauliche Entwicklungsszenarien in Modellen erprobt, Freiräume definiert und Infrastruktur und Grünraum zugeordnet, um den lokalen AkteurInnen (BewohnerInnenschaft und Stadtverwaltung) nachhaltige und praktikable und Vorschläge präsentieren zu können.

Wohnen: Es soll die örtliche Realisierbarkeit, sowohl was die Materialien betrifft, als auch mit Hinblick auf das gemeinschaftliche Bauen (juntamão) mit dem Wissenstand der erneuerbaren Energien und dem sinnvollem Einsatz zeitgemäßer Technologien gewährleistet werden. Punktuelle Interventionen individueller Raumprogramme (Wohnen und Werkstatt – evolutives Wohnen– verdichtete Wohnmodelle) werden in Plänen und Modellen erarbeitet.

Soziale Infrastruktur: Von den BewohnerInnen der Gebiete werden soziale Einrichtungen, gewünscht. Die Studierenden erstellen Entwürfe für eine Kapelle und einen Kindergarten, ein Wasch- und Kochhaus, ein Jugendzentrum, sowie Sportplätze und Plätze für kirchliche Zeremonien oder für das Spielen.

Ergebnisse

Die Entwürfe der Studierenden der TU Graz werden von den BetreuerInnen der UniCV und von den BewohnerInnen kommentiert. Das Feedback wird den VerfasserInnen übermittelt und erläutert.

Die gesamten evaluierten Entwürfe werden den VertreterInnen der BewohnerInnenvereinigung (Associação de moradores) vorgestellt. Sie sollen damit eine ideelle Stärkung gegenüber der Behörde erfahren – um ihren Lebensraum behalten zu können. Die gemeinsam erarbeiteten Projekte werden im Rathaus der Stadt Praia zur weiteren Diskussionausgestellt.

Studierende UniCV: Jailson Andrade, Antéro Lopes, Zuleika Pires und Adelino Teixeira

Studierende TU Graz: Agnieszka Backiel, Amor del Pilar Vacas Alvarez, Andreas Draxl, Angelika Hesse, Antonia Nakova, Carina Pammer, Christiane Helga Riedler, Christina Windisch, Cornelia Reiser, Heinz Tiefenbacher, Ingo Steiner, Kanita Elezovic, Katharina Lackner, Maria del Carmen Ladron De Guevara Munoz, Martin Daniel Schnabel, Martina Prisching, Michael Novak, Patrícia Daniela Silva Nogueira, Paulina Dziegielewska, Silvia Gross, Stefan Wabnigg, Thomas Nussbaumer, Verena Auer, Verena Schulter, Vesna Pecanac, Wolfgang Horn

städtebauliches Modell des bairro São Paulo in Praia

bairro São Paulo, Praia

bairro Alto da Glória, Praia

bairro Alto da Glória, Praia

Chronologie

1. Skype Konferenz mit der UniCV (Partneruniversität), 11.3.2011
Judite Nascimento, Zuleika Pires, Jailson Andrade, Antéro Lopes, Adelino Teixeira
 
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Zwischenkorrektur mit Gast: Carlos Pires
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2. Skype Konferenz mit der UniCV (Partneruniversität), 14.4.2011
Judite Nascimento, Zuleika Pires, Jailson Andrade, Antéro Lopes, Adelino Teixeira
Präsentation mit Gästen: Doris Dockner und Andrea Redi
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Arbeitsmodelle:…was die Studierenden aussagen wollen, wird noch Gegenstand des Seminares und der Übung sein, klar ist dass das Modell ein work in progress sein wird, ein sich ständig veränderbares Modell, wie das „spontane Siedeln und Leben“ deshalb werden die Erschließungswege auch veränderbar bleiben…

InforCidade Finissage Semesterarbeiten 30. Juni 2011
 
 

Spontanes Wohnen – spontane Menschen

Gebieten informelle Siedlungsgebieten weltweit

TU Graz, Institut für Wohnbau, SS 2011  AK Wohnbau
Leitung: Jördis Tornquist

Im Sommersemester 2011 findet im Rahmen der Architekturausbildung am Institut für Wohnbau ein Seminar statt, das sich mit dem Phänomen der informellen Wohnungsschaffung in weltweit ausgewählten Gebieten auseinandersetzt. Es dient zur Vorbereitung der anschließenden Projektübung InforCidade (s. oben).

Informelle Siedlungsgebiete

Die im Seminar untersuchten Gebiete in Lateinamerika, im Mittelmeerraum, der Türkei, in Südafrika und in Kap Verde gelten nach der Form ihrer Entstehung als informal settlements. Sie basieren nicht auf professioneller Planung, sie sind vielmehr in Eigenregie der BewohnerInnen entstanden. Viele informelle Siedlungen bestehen schon seit einigen Generationen und als eigengesetzliche Mikrokosmen in große Agglomerationen integriert. Laut dem World Urban Forum 5 in Rio de Janeiro 2010 lebt derzeit 1 Milliarde Menschen in informellen Siedlungsgebieten (Prognose für 2050: 3 Milliarden). Die Gebiete sind meist von Armut gekennzeichnet.

Social exclusion, poor sanitation, lack of safe drinking water, high vulnerability to natural disaster, absence of health and education facilities are common in any informal settlement. The settlements are established on marginal land by people who are very poor and do not have any access to land. The settlements also lack of basic infrastructure. In the absence of basic services, the living conditions are poor, unhygienic and prone to all kinds of threats and disease. The inhabitants also live in fear of eviction or relocation.²

Die nachhaltige Entwicklungsperspektive sowie das Wachstum der informellen Siedlungen hängt wesentlich von der Bereitstellung von Basisversorgungseinrichtungen und adäquaten Verkehrsinfrastrukturen ab. Aber auch Maßnahmen im Sozialbereich und die Sicherheit der Bestandsverhältnisse, also die Formalisierung der Gebiete, sind dazu nötig. Je nachdem, in welchem Ausmaß und in welchem Zeitrahmen diese Bedingungen geschaffen werden, bedeutet das für informelle Siedlungen, dass sie sich positiv in Richtung reguläre Wohngebiete entwickeln oder zum Slum degradieren, mit der Konsequenz, dass ihre BewohnerInnen früher oder später von der formellen Entwicklung verdrängt werden.

In den letzten Jahrzehnten hat sich ein bestimmtes Maß an Wertschätzung für informelle Stadtgebiete entwickelt. Nicht nur wegen ihres „malerischen“ Erscheinungsbildes, sondern auch aus der Bewunderung für die Überlebensstrategien ihrer BewohnerInnen, wird das Leben der Menschen, unter anderem in zeitgenössischen Filmen thematisiert: Orfeu Negro (1959), Megacities (Michael Glawogger (A), 1998), Slumdog Millionaire (Danny Boyle (GB), 2008)

1 UN-HABITAT – United Nations Human Settlements Programme
2 Upgrading Informal Settlements in Kandahar City UN-HABITAT

Präsentation mit Gast: Eduardo Cunha

> Pesquisa
AK WB Resumé Tornquist

Information zum Fornschungsprojekt-Cabo Verde
Universidade de Cabo Verde (UniCV)

Wohnen im Kontext

Institut für Wohnbau der TU Graz, SS 2011, Vorlesung
Vortragender: Johannes Fiedler

14.03.2011: Siedlungskulturen
21.03.2011: Motive und Formen der Agglomeration
22.03.2011: Besuch Ausstellung „Wohnmodelle“ 16:00, Stadtmuseum, Sackstraße 18
28.03.2011: Produktionsweise und Gebäudetypologie
09.05.2011: aktuelle Praktiken und Tendenzen
09.05.2011: offene Vorlesung „architecture development“ und Reininghaus mit Gästen
Reininghausgründe Graz

upgrade: continuity and change – Graz, Kalvarienberg <rundum> 2010

TU Graz, Institut für Städtebau, SS 2010 – Projektübung Prof. Joost Meuwissen;
Leitung: Jördis Tornquist

Ausloberin:

University of Architecture and Urbanism “Ion Mincu” Bucharest
18-20 Academiei Street, 010014
Bucharest, Sector 1, Romania

Thema:

Ageing places, buildings and natural environments require delicate interventions. There are two frequently used approaches: subtle changes acting as a neutral background to highlight valuable building features; or broad changes permeating the place, establishing a dialogue between old and new features, possibly creating a new interpretation. There is however a further type of approach, one that empowers the place.

 

Many ageing buildings loose their character and are forgotten; similarly some entire areas, for various reasons, do not keep up with the times and fall out of fashion. These are the places we must address through architectural intervention generating empowerment, giving them an “upgrade”.

There are previously overlooked areas which can be empowered by an inspired architectural intervention. Subsequently, an upgrade may help communities by providing architectural support to answer their needs.

The modern era developed a preference for fractured progress. Displeased, rightfully or not, by the development and evolution of art, people have proved themselves willing to initiate radical changes, introduce new rules, reverse almost anything, and ultimately invent new universes. And more than once, cultural movements fused with or became companions of political ones. Denying almost everything that had occurred until then, new movements were introduced as the “real artportraying a new version of the perfect world. But for a culture to exist and mature, one crucial ingredient is essential: CONTINUITY. Only continuity over generations offers a culture the chance to survive historical changes. Continuity however does not mean imprisonment in one point of time but perseverance and trust in a value system.

Continuity does not follow fashion trends and neither aims, emphatically or arrogantly, to alienate them. Novelties are not a nuisance to a culture. Instead, they are – precisely through continuity – easily assimilated and accepted. Therefore the continuity of one culture means a permanent transformation, without an extreme departure from everything that existed before.

No architect thinks that a building that they design would ever become an artifact; on the contrary, all architects believe that they are creating buildings that would always house life. Buildings are permanently changing, according to the lives of people and communities they accommodate. Yet within the changes there is a consistency that ensures CONTINUITY.”

1498 wurde der „Austein“ erstmalig erwähnt, er besteht aus grünem Schiefer und ragte einst aus der Aulandschaft der Mur nördlich von Graz. Im Zuge der Gegenreformation (in Graz ab 1600) wurde der er als Kalvarienberg bebaut und beherbergt seither unter anderem eine Kreuzigungsgruppe, wobei die heute dort stehende Plastik des Christus am Kreuz (18.JH) ursprünglich für die Keplerbrücke geschaffen wurde.
Bis 1938 lag der Kalvarienberg noch am nördlichsten Stadtrand von Graz, erst mit der Eingemeindung von Göstig (erwähnt 1138, gostinca, gozd ) bekam eine zentrale Stadtlage. Die Überfuhrgasse zeugt noch von dem bis in die 1950ger Jahre funktionierenden Floss-Verkehrs am Fuße des Kalvarienberges.

Rund um den Kalvarienberg gilt die Schutzzone V (AGIS). Abgesehen von diesem kleinen Vorstadtkern ist das Gebiet jedoch extrem inkohärent, bestehend aus kirchlichen Einrichtungen, Umspannwerk, Kleingärten, Wohnblocks…uvm.

< Stadtdialog – dialoguecity > Simone Frattnig und Theresa Haas

< Orte zur temporären Aneignung > Thomas Kalcher, Peter Kanzler, Jürgen Patjens

< ex ponto > Jasna Kuljuh

Workshops – Graz, Schörgelgasse: 2009 – 2011

Espèces d´espaces

Institut für Wohnbau der TU Graz, WS 2011/12 – WS1
Leitung: Jördis Tornquist



Angeregt von den Raumbeobachtungen von George Perec[1] sollen Alternativen zu den traditionellen Raumtypen entwickelt und an einem Standort in Graz konkretisiert werden.
Von den Studierenden werden Grundrisse von Wohnungen unterschiedlicher Entstehungszeit skizziert und einem Verfahren unterzogen, das im Buch „Träume von Räumen“[2] beschrieben ist: die Untersuchung des Tag/Nacht Stundentaktes – welches Geschehen wann und in welchen Räumen passiert.
Auf der Grundlage dieser Untersuchung werden Wohnungen entworfen, die aus der funktionell sinnvollen Überlagerung definierter „Neuräume“ gebildet wird.
Im Sinne von minimal housing sollen auf wenig Grundrissfläche bis zu sechs Wohneinheiten entstehen.

Analyse nach George Perec: „Ich weiß nicht und will es auch nicht wissen, wo das Funktionale beginnt und wo es aufhört. Auf jeden Fall ist mir völlig klar, dass bei der Musteraufteilung der Wohnungen von heute das Funktionale nach einem eindeutigen, fortlaufenden und nykthemeralen Verfahren funktioniert: die täglichen Verrichtungen entsprechen Stundenabschnitten und jedem Stundenabschnitt entspricht einer der Räume der Wohnung…“ (aus Perec 1974 Kapitel 3: Die Wohnung)


1 franz. Schriftsteller (1936 -1982) , ab 1967 Mitglied der OuLiPo Gruppe
2 GEORGE PEREC: Träume von Räumen, Fischer Verlag ©1994 , Original: Espèces d’espaces, Édition Galiée  ©1974
 
 

Überlegen – Überformen – Übersiedeln

TU Graz, Institut für Wohnbau, WS 2010/11 – WS3
Leitung: Jördis Tornquist

 
Anhand eines praxisnahen Beispiels soll die Auseinandersetzung mit innovativem Wohnen im Bestand erfolgen.
Es geht um das Eckgrundstück Mandellstraße/Schörgelgasse: Zwei Vorstadthäuser, an einem traditionellen Weg aus der Stadt gelegen, aufgebrochen durch die später anlegte Gründerzeitstraße, schaffen trotz ihrer „Gewöhnlichkeit“ eine ganz besondere Situation. Dabei handelt es sich keineswegs um heruntergekommene Häuser. Sie sind lebendig – wie schon vor 400 Jahren[1].
Aus einer mutigen Überformung soll ein markantes und innovatives Gebäude entstehen, das auch die Einmündung der verschiedenen Straßen als Platzsituation mit dem Park gegenüber aufwertet und mitgestaltet.
…..und so könnte es passieren:
Seit Jahrzehnten sind die Liegenschaften im Familienbesitz. Frau Klinger, Besitzerin des Hauses Schörgelgasse 31 und Herr Dr. Maier, Besitzer des Hauses 33, haben einen Plan: Sie wollen ihre Liegenschaften nun endlich gemeinsam verwerten. „Es soll was passieren, aber es darf sich nichts ändern, solange wir leben“.
Nun haben Sie einen verständnisvollen Bauträger gefunden. Um eine qualitätsvolle Architektur bemüht, hat die HomeCompany[2] nun einen Wettbewerb unter ganz wenigen erfahrenen ArchitektInnen ausgeschrieben, von denen sie sich exquisite Entwürfe erwartet. „Die Klientel in dieser Gegend ist ausgesprochen anspruchsvoll, MitarbeiterInnen der TU – Graz, vor allem Literaten, aber auch OpernsängerInnen… „ weiß die Fachfrau Mag. Heberstreit der HomeCompany aus langjähriger Berufserfahrung

1 Als die Stadt noch am Land war: Edith Münzer, Verlag Styria 1978 – Seite 130ff
2 Von der Webseite der HomeCompany:
Das moderne Berufsleben verlangt Flexibilität. Flexibel zu sein heißt auch, mobil zu sein: viele berufstätige Menschen pendeln zwischen Arbeitsort und Hauptwohnsitz oder halten sich projektbezogen in einer fremden Stadt auf. Da ist HomeCompany der richtige Ansprechpartner, um unkompliziert, schnell und passend ein Zuhause auf Zeit vor Ort zu finden.
Die Vorteile liegen auf der Hand: In dem zeitgemäß möblierten Apartment fühlt man sich sofort wohl und kann sich vom ersten Tag an entspannt auf seine Arbeit konzentrieren. Der Aufwand des Umzugs und der Umgewöhnung ist minimal.
Aber auch für Vermieter bietet der Service zahlreiche Vorteile: HomeCompany sucht als erfahrener Partner für Sie passende Mieter, organisiert Besichtigungstermine und vermittelt Mietverträge auf Zeit. So bleibt Ihre Wohnung flexibel verfügbar und ist gleichzeitig gut vermietet.
 

Wir planen ein Stadthaus für eine Baugemeinschaft

TU Graz, Institut für Wohnbau, WS 2009/2010 – WS1
Leitung: Jördis Tornquist

Das Leben in der Stadt wird wieder zunehmend geschätzt.

Die Stadt hat längst nicht nur für junge ungebundene Menschen ihren Reiz – auch aktive ältere Menschen ziehen wieder zurück in die Städte, um zum Beispiel am kulturellen Leben unmotorisiert teilnehmen zu können. Jungfamilien – vor allem auch die zunehmend größer werdende Gruppe der Patchwork-Familien, können die unterschiedlichen Bedürfnisse der Familienmitglieder in der Stadt effizienter befriedigen.
Meist finden diese Menschen in den gewünschten Lagen kein Wohnungseigentum vor, das ihnen entspricht und so entstehen nach deutschem Vorbild nun auch in Österreich Baugemeinschaftsprojekte.
Baugemeinschaften sind ein Beitrag zur Idee der kompakten fußläufigen Stadt, sie schaffen öffentlichen Raum und soziale Netze. Damit entsteht ein Gegenmodell zu suburbanen Praxis und sie leisten einen Beitrag zur nachhaltigen Stadt.
Das Prinzip: Die einzelnen Bauwerber schließen sich zu einer BauherrInnengemeinschaft zusammen. Die Organisation übernimmt entweder ein gewählter Sprecher aus der Baugruppe oder bei großen Baugemeinschaften ein professioneller Baubetreuer. Die Gemeinschaft lädt dann einige Architekten zur Erstellung eines Entwurfes ein.
Der selbstorganisierte Wohnbau ist daher auch ein interessantes neues Betätigungsfeld für ArchitektInnen.
Mit den StudentInnen des Seminars soll dieses Szenario in Gruppenarbeiten an einem städtischen Standort in Graz durchgespielt werden.
Geübt wird der Umgang mit vielfältigen Nutzungsanforderungen im Wohnbau und die Einbettung in ein städtisches Umfeld.
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Der Bauplatz am östlichen Ausgang des Diedrichsteinplatzes umfasst 348 m2 und ist laut FLÄWI 3:0 im KG+WA (EZ) 0,3 – 2,5
WS1-WS2009-Tornquist
Die Ausstellung „gemeinsam bauen. WOHNBAU:ALTERNATIVE:BAUGRUPPEN“ im HDA Graz inspiriert zu alternativen Wohnformen.

Anti-Cocooning

TU Graz, Institut für Wohnbau, SS 2009 – Entwerfen 4
Leitung: Jördis Tornquist

Das Thema: Anti-Cocooning
Die Konsum- und Freizeitgesellschaft führt zu einem Vitalitätsverlust in der Stadt. Leben in komfortablen Kokons, Urbanität fußfrei von der Dachterrasse, vernetzt und doch isoliert. Lift von der Wohnung zur Tiefgarage. Ab zum Flughafen. Der öffentliche Raum ist nur mehr als Kulisse für touristische Exkurse interessant. Jedes in Kontakttreten mit anderen Menschen ist selektiv und muss meistens erkauft werden.
Es gibt aber auch Menschen, die nicht dieser Konsum– und Freizeitgesellschaft angehören: MigrantInnenfamilien, Ältere, Teilzeitarbeitslose, oder Menschen, die wegen ihrer Verpflichtung gegenüber anderen, oder wegen psychischer oder körperlicher Einschränkungen einen geringeren Bewegungsradius haben.
Diese Leute machen keine Urlaube, haben keine Zweitwohnsitze. Sie sind das ganze Jahr über auf ihr Wohnumfeld angewiesen. Entgegen gängiger Middle-Class-Klischees sind diese Menschen für die Stadtentwicklung von großer Bedeutung. Sie beleben in zwangloser Weise Quartiere, sie schaffen Netze des Vertrauens und der Verbindlichkeit. Es entsteht subjektive Sicherheit und eine objektiv wahrnehmbare Belebung des öffentlichen Raumes.
Diese Faktoren ziehen ihrerseits neue Bevölkerungsgruppen an (Studierende, raumsuchende Kreative…) und befördern damit die Erneuerung der Stadt.
Das Gebiet: Zwischen Bar und Beet
Das Gebiet rund um die „Siemensgründe“ zwischen Alte-Post-Straße und Wagner-Biro-Straße wird von der Rasterstruktur des ehemaligen Kasernenviertels (siehe Plan von 1912) westlich des Bahnhofes bestimmt. Reste gewerblicher Nutzung funktionieren hier Seite an Seite mit Rotlichtbetrieben, Büros und Schrebergärten. Im westlichen Teil befindet sich die Remise II der Grazer Verkehrsbetriebe. Es gibt einen großen Parkplatz für die Bediensteten der Siemens-Fahrzeugtechnik.
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Im Zuge der Umstrukturierung des Hauptbahnhofes als Nahverkehrsdrehscheibe wird nun für die Straßenbahnlinien 3 und 6 in diesem Gebiet eine Endhaltestelle mit Umkehrschleife eingerichtet und in der Verlängerung der Achse Daumgasse – Wasserturm (erbaut 1921) wird ein Personentunnel zum Bahnhofsvorplatz geführt werden. Dadurch wird das Gebiet eine neue Aufmerksamkeit erfahren.
 
Das Ergebnis: Die Kleeblattgründe
Die Gruppe aus 15 Studierenden entwickelte ein Stadtgebiet mit 370 WE (für +/- 1.000 EinwohnerInnen). Die mögliche Bruttogeschoßfläche (BGF) wurde zu 86% ausgenützt, Outdoor-Ergänzungsflächen für jede Wohnung wurden gestaltet und 3,8 ha allgemein zugänglicher Grünraum geschaffen.
Städtebauliches Konzept (Ergebnis der Gruppenarbeit):
Das Gelände wird in der Draufsicht in 12 Baufelder mit organischer Geometrie gegliedert. In den Zwischenräumen entsteht somit ein netzartiges Grünraum- und Verkehrskontinuum. Zusätzlich werden die Geländehöhen modelliert. Die Niveaugestaltung ergibt eine Gliederung des Öffentlichkeitsgrades der einzelnen Bereiche. Die Verkehrswege liegen auf dem Nullniveau und stellen den Normalfall von „Öffentlichkeit“ dar. Von dort aus sind die tiefer gelegenen Grünflächen und Plätze gut einsehbar. Die zu den Wohnungen gehörenden Flächen liegen hingegen oberhalb der Nullebene und entziehen sich dadurch teilweise dem Einblick von der Verkehrsfläche. So werden die Erdgeschosszonen für das Wohnen nutzbar. An den Kreuzungen des Wegenetzes stehen Bäume.
Am Wasserturm (am Bahngelände) entsteht eine Piazza, als Entreé zum Gebiet, vom Hauptbahnhof kommend.
Die neue Endhaltestelle für die Linien 3 und 6 werden im Nordwesten des Gebietes, in der Nähe des Sparmarktes als Ergänzung des schon vorhandenen kleinen Subzentrums angeordnet.
Der Individualverkehr wird rund um das Quartier geführt. Die Parkierung für jeweils 3 Wohnprojekte in Sammelgaragen komprimiert. Entlang der Eggenbergerstraße sind Alleebäume vorgesehen sowie ein erhöhter Park und zwei Bürogebäude.
Die 14 individuellen Wohnbauprojekte mit durchschnittlich 25 Wohneinheiten (d=1,13) bieten einen reichen Wohnungsmix – vom Großfamilienwohnen (z.B. MigrantInnen) über Singlewohnen, StudentInnenwohnen, Wohnen+Arbeiten, etc.
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Jede Wohneinheit hat eine Aktivitätsmöglichkeit außerhalb der eigenen vier Wände als Outdoor-Ergänzungsfläche, die Neuinterpretation der bestehenden Kleingärten. Die Ideen reichen von Grillplätzen über Beete, Kleintiergehege, Werkstätten, Liegewiesen, Lernnischen bis zu Gemeinschaftsteich, Künstlerhaus und Sportfeld.
So könnte ein Quartier für Menschen entstehen, die sich in der Stadt wohlfühlen können, je nach Lebensabschnitt innerhalb des Quartiers ihre Wohnsituation wechseln, in dem es zwischen den privaten und den öffentlichen Räumen eine Vielzahl von Übergangszonen und Interaktionsbereichen gibt. Ausgehend von dieser hohen Dichte an sozialen Bezügen entsteht Identifikation und Verantwortung.
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Studierende:
Verena Auer, Doris Becker, Eva Beyer, Selma Catic, Philipp Dobrowsky, Hannes Haas, Adnan Halilovic, Marianne Heiling, Daniela Klappacher, Michael Novak, Hermina Orascanin, Marie-Christine Sauer, Anna Magdalena Vukan, Reinhold Weinberger, Christina Windisch
Gastkommentator/innen: Carita Merenmies und Johannes Fiedler
Präsentation Gäste: Marlis Nograsek, Wolfgang Purt und Johannes Fiedler

> Artikel GAT Anticooning

TU Graz, Institut für Wohnbau, SS 2008
Entwurfsarbeit
Initiiert von Johannes Fiedler, unterstützt von Asset One AG, Betreuer: Mark Blaschitz

Coole Häuser für heiße Girls. Heiße Häuser für coole Boys.
Townhouse Development Die Typologie der Townhouses erfreut sich am globalen Immobilienmarkt zunehmender Beliebtheit. Die Menschen stellen sich darunter dicht an einander gebaute Wohnhäuser in einem städtischen Umfeld vor. Der und die Einzelne erwartet ein als das eigene identifizierbare Haus mit zwei bis drei Stockwerken an einer belebten, aber nicht zu lauten Straße, einen eigenen Eingang, vielleicht einen kleinen Garten und/oder Terrasse, einen Abstellpatz für das Auto. Das Townhouse unterscheidet sich vom freistehenden Einfamilienhaus vor allem dadurch, dass es gut in eine städtische, fußläufige Verkehrs- und Versorgungsstruktur eingebunden ist. Vom seriell hergestellten Reihenhaus unterscheidet sich das Townhouse durch sein individuelles Erscheinungsbild und durch seinen Bezug um städtischen Raum. Der Markt assoziiert Townhouses mit historischen Städten in den Niederlanden oder in England, man denkt an Greenwich Village oder an die Brownstone-Häuser von Brooklyn und Queens. Leider sind diese historischen Orte nicht vermehrbar und außerdem schon von anderen Menschen bewohnt. Wie kann man also neue Townhouses herstellen? Was sind ihre wesentlichen Charakteristika, was sind die Herausforderung in der Planung?
archurb · 06.04.2010
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